| Wo bleibt die Zeit (4) - Zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit
Die bezahlten Arbeitsstunden, welche die Bevölkerung in Deutschland erbringt,
fließen in jedem Quartal in die Größe des Bruttoinlandsprodukts ein.
Das Bruttoinlandsprodukt
ist der am häufigsten gebrauchte Maßstab für die wirtschaftlichen Leistungen einer Volkswirtschaft. Doch gearbeitet wird nicht nur gegen Bezahlung. Unbezahlte Arbeit wird in beträchtlichem Umfang in den privaten Haushalten von und für die Familie erbracht.
Diese unbezahlten Tätigkeiten umfassen mehr Stunden als die bezahlte Arbeit. In Zahlen bedeutet das, dass über die ganze Woche verteilt alle Personen ab 10 Jahren durchschnittlich gut 25 Stunden unbezahlt, bezahlt dagegen etwa 17 Stunden arbeiten.
Näher betrachtet zeigt sich, dass Frauen mit knapp 31 Stunden deutlich mehr unbezahlte
Arbeit leisten als Männer mit 19 ½ Stunden. Bei der Erwerbsarbeit – zu der hier auch Arbeitssuche und Wegezeiten gezählt werden – kehrt sich das Verhältnis um (Frauen: 12 Stunden, Männer: 22 ½ Stunden).
Dennoch zeigt sich unter dem Strich: Die gesamte Zeitbindung durch die bezahlte und die unbezahlte Arbeit zusammen ist bei Frauen mit 43 Stunden pro Woche durchschnittlich
etwa eine Stunde höher als bei Männern mit 42 Stunden.
Von den unbezahlten Arbeiten nimmt die „Haus- und Gartenarbeit“ die weitaus meiste Zeit in Anspruch. Bei Frauen (63%) allerdings deutlich mehr als bei Männern (46%). Darunter sind wiederum das Kochen und Spülen (bei Frauen 24%; bei Männern 14%) und die Reinigung von Haus bzw. Wohnung
(bei Frauen 18%; bei Männern 15% der Zeiten für unbezahlte Arbeit) die zeitaufwändigsten
Tätigkeiten. Weiterhin gehören
auch die Wäsche- sowie die Tier- und Pflanzenpflege zur Haus- und Gartenarbeit.
Auch das Einkaufen und die Haushaltsorganisation
nehmen viel Zeit in Anspruch: Bei den Männern 26%, bei den Frauen 20%. Haus- und Gartenarbeit, Einkaufen und die Haushaltsorganisation bedeuten damit bei den Frauen 83% und bei den Männern 71% der unbezahlten Arbeit. Von der Zeit, die Männer insgesamt für unbezahlte Arbeit aufwenden,
benötigen sie 7% für die Betreuung und Pflege von Kindern oder erwachsenen Haushaltsmitgliedern, bei Frauen ist dies ein Anteil von 10%.
Ehrenamtliche Tätigkeiten und informelle Hilfeleistungen haben mit durchschnittlich 6% einen geringeren Anteil an den unbezahlten
Arbeiten, die Frauen leisten. Bei Männern zeigt sich ein anderes Bild: Bei ihnen machen diese Aufgaben mit 12% einen doppelt so hohen Anteil an der unbezahlten
Arbeit aus wie bei den Frauen.
Quelle: Statistisches Bundesamt

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