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Kreative Freizeit (6) - Die kreativen Alltagstypen

Kreative Freizeit (6) - Die kreativen Alltagstypen

1. der oder die von der eigenen Kreativität ganz und gar überzeugte

Diese Verbraucher lehnen fertige Bastelpackungen meist ab, oder nutzen sie zweckentfremdet.

Sie brauchen nach ihrer eigenen Einschätzung keinerlei Anleitungen und finden auch die Anregungen in sich selbst oder in der Natur.

Kreativität ist für diesen Menschentyp eine eher ernste Sache, sie definieren ihre Persönlichkeit und ihren Stil über die kreativen Tätigkeiten und diese sind der wichtigste Imagefaktor für diesen Typ.

In Gruppen, Vereinen und Kleinstädten kann es zu regelrechten Krisen kommen, wenn neue Sterne am Kreativhimmel erscheinen.

Das Mitmachen von aktuellen Trends ist ihnen ein Graus und der aktuelle Filz-Haarschmuck, den sie gerade tragen, war halt das Geschenk einer lieben Freundin.

Diese Verbrauchertypen verstehen sich als kreative Trendsetter und versuchen nicht selten, mit dem kreativen Hobby auch Geld zu verdienen. Das geht oft ganz gut, solange es sich um Kurse bei der VHS und ähnliche Jobs handelt und scheitert fast immer, wenn eine Galerie oder eine Boutique eröffnet wurde.

Der Anteil der kreativen Menschen, die diesem Typ zugerechnet werden können, liegt in unseren Daten derzeit bei ca. 3 %, sie treten aber stark in den Vordergrund und prägen vor Ort jeweils die Szene.

Eine töpfernde Hausfrau aus dieser Gruppe würde sich in Gesellschaft nicht als Hausfrau mit Hobby Töpfern vorstellen, sondern als Töpferin.

Das Ausgabeverhalten dieser Gruppe für Hobby-Materialien ist unterschiedlich, aber meist deutlich über dem Durchschnitt.

2. der oder die fröhlich unkomplizierte Kreative

Diese Menschen haben einfach Spaß an kreativen Tätigkeiten und nehmen sie nicht gar so ernst. Sie können die Werke und Projekte anderer Kreativer neidlos bewundern und wechseln die kreativen Vorlieben häufig.

Sie machen die aktuellen Trends begeistert mit und nutzen auch gerne Anleitungen und Bastelpackungen. Allerdings halten sie sich meist nicht ganz korrekt an die Vorgaben, sondern nutzen diese eher als Anleitungsvorschlag, der ihre eigenen kreativen Ideen keinesfalls einschränkt.

Diese Konsumenten geben gerne Geld für Hobby-Materialien aus und basten nicht nur für das eigene Heim, sondern auch häufig für Geschenke oder für einen guten Zweck.

Sie entsorgen das übrig gebliebene Material wenn ein Trend zu Ende geht und stürzen sich kopfüber in den nächsten.

Kreative Beschäftigen haben für diesen Menschentyp ganz eindeutig eine Spaß- und Freizeitkomponente die klar im Vordergrund steht.

Diese Menschen definieren sich nicht über ihr Hobby, aber sie genießen es.

Ein Beamter aus unserem Projekt, der sehr kreative Landschaften und Szenarien für Spielzeug-Eisenbahnen baut, stellt sich als Beamter vor, das Hobby kommt erst später zur Sprache.

Auch diese Gruppe gibt deutlich mehr als der Durchschnitt für das kreative Hobby aus, wobei nicht alle gekauften Materialen auch tatsächlich zum Einsatz kommen.

Nach unserer Einschätzung sind gut 25 bis 40 % der Kreativern dieser Gruppe zuzurechnen.

3. der Anleitungs-Bastler

Eine ganz spezielle Gruppe von Kreativen sind die Anleitungsbastler.
Sie haben den Ehrgeiz, ein Model zu basteln, das ganz exakt der Anleitung oder Vorlage entspricht.
Und sie sind unzufrieden und enttäuscht, wenn ihnen das nicht 100%ig gelingt.

Wir finden sie in vielen kreativen Bereichen, ob es sich nun um fleißige Socken-Strickerinnen handelt oder um akkurate Modellbauer.

In den Gruppendiskussionen haben diese Menschen es nicht gerade leicht, wird ihnen doch von anderen Teilnehmern je Schöpferkraft abgesprochen, vereinzelt wurden sie sogar von anderen Teilnehmern als "Relikte des Industriezeitalters" beschimpft.

Nichts desto trotz ziehen auch diese Bastler große Befriedigung aus Ihrem Hobby und sind bereit einiges dafür zu investieren.

Sie brauchen ihr Material akkurat auf und bringen nicht angebrochene Packungen ohne Pardon ins Geschäft zurück.

Der Anteil dieses Bastler-Typs lässt sich schlecht schätzen, da es sich meist um introvertierte, eher zurückgezogen lebende Menschen handelt, die wenig aus sich herausgehen und nur selten über ihr Hobby sprechen.

Es soll vorkommen, dass Angehörige nach dem Tod eines solchen Menschen in seinem Keller oder in einem Dachstübchen eine ganze Welt von akkurat gearbeiteten Miniaturen, tausende von Scherenschnitten oder ähnliches finden.

Ich gehe davon aus, dass gut 10 bis 15 % der kreativen Bastler zu diesem Typ gehören.

4. die sprunghaften Schnäppchenjäger

Das sind nach unserer Einschätzung diejenigen kreativen Bastler, die trotz aller vermeintlichen Sparsamkeit den wenigsten Nutzen aus dem kreativen Hobby ziehen.

Sie neigen dazu, mal hier mal da einen Restposten, ein Sonderangebot oder einen Billigartikel zu kaufen, mit dem sich vielleicht mal etwas basteln ließe.

So tragen sie oft einen ganzen Hort von Einzelartikeln zusammen, und freuen sich am Sonderpreis. Nur fehlen halt meistens einige Komponenten für das aktuell geplante Projekt. So dass eigentlich in solchen Haushalten nur selten wirklich gebastelt wird.

Solche Hobbys sind einfach zu teuer, stöhnte eine Hausfrau aus dieser Gruppe in unserer Gruppendiskussion. Denn wenn sie mal wieder …."die Schränke ausmistet"… wirft sie regelmäßig Bastelartikel weg, von denen sie schon lange nicht mehr weiß, was das eigentlich mal werden sollte. Auch eingetrocknete Klebstofftuben, vertrocknete Farben etc. kommen dann in den Müll.

Diese Verbrauchergruppe ist relativ klein, ist aber offensichtlich im wachsen begriffen.

Mehrere Teilnehmer in unseren Kreativgruppen berichteten, dass sie seit einiger Zeit dieses Verhalten an sich oder ihrem Partner beobachten.

Diese Konsumenten beenden selten ihre angefangen Projekte. Die cleveren verkaufen angefangen Strickpullover…"das halbe Vorderteil ist schon fertig", oder "ein Sammelsurium an Window Color" etc. für ein paar Euro schließlich bei ebay.

5. die Zeit-Horter

Für mich als Soziologin sind natürlich alle diese Menschentypen und ihre Verhaltensmuster und Einstellungen spannend und interessant. Aber besonders berührt haben mich die Zeit-Horter.
Sie sind so sehr die typischen Kinder unserer hektischen Zeit.

Die Zeit-Horter sind kreative Menschen, die mitten im Leben stehen und denen der Beruf und oder die Familie keinen Freiraum für das Ausleben der eigenen Kreativität lässt.

Ihre kreativen Projekte sind in der Planung längst ausgereift und im Kopf fix und fertig.

Die Materialien werden mit viel Freude und Genuss ausgewählt, liebevoll zusammengestellt und dann ……..weggepackt.

Für den Fall, dass sich ein Zeitloch öffnet und Zeit für die eigenen kreativen Projekte zur Verfügung stehen sollte.

Das können ganz erkleckliche Beträge sein, die so für die Freizeit in der Zukunft angelegt sind, denn diese Verbraucher kaufen sich nicht wirklich nur das Bastelmaterial oder die Strickwolle oder was auch immer. Sie kaufen zugleich Zeit und auch das Versprechen für ein beglückendes kreatives Freizeiterlebnis, wenn es auch erst später kommt.

Fortsetzung folgt





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