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Kreative Freizeit (2) - Eines Menschen Zeit ist ihm teuer!

Kreative Freizeit (2) - Eines Menschen Zeit ist ihm teuer!

Zeit ist ein kostbares Gut.

Darüber ist man sich schon lange einig.

Doch zu keiner anderen Zeit haben die Menschen so sehr mit ihrer Zeit gerechnet und gegeizt.

Und das, obwohl die Lebenserwartung im Vergleich zu früheren Epochen deutlich gestiegen ist.

Bei den durchschnittlich 75 bis 80 Jahren, die das Leben heute dauert, ist es an sich kaum verständlich, dass wenige Minuten Wartezeit an der Kasse bei vielen Zeitgenossen gleich Anlass zu Frust und Ärger sein können.

Und doch geht uns ja manchmal selbst so.

Das Gefühl für das unaufhaltsame Verstreichen der Zeit ist das vorherrschende Lebensgefühl unseres Zeitalters.

Dementsprechend denken viele Menschen intensiv darüber nach, wie sie am besten mit ihrer Zeit umgehen, gemeint ist damit natürlich die freie Zeit.

Der Anspruch an die Erlebnisqualität der Freizeit war noch nie so hoch wie heute.

Lebensqualität misst der moderne Mensch nämlich nicht anhand der Ausstattung und Aufenthaltsqualität seines Arbeitsplatzes (angenehmes Arbeitsklima, nette Kollegen), nicht am gesellschaftlichen Prestige seiner Arbeit oder am mit dieser Arbeit erzielten Einkommen.

Lebensqualität definiert der moderne Konsument in erster Linie über die Erlebnisqualität seiner Freizeit, wobei das Einkommen natürlich wieder eine wichtige Rolle spielt, aber nicht der einzige Faktor ist.

Dabei ist allerdings keineswegs nur das Erlebnis Urlaub gemeint.

Während die Nachkriegsgenerationen noch brav das ganze Jahr gewerkelt haben um sich einen schönen Urlaub zu gönnen (und das war´s dann bis zum nächsten Jahr), verlangt der Mensch der Jahrtausendwende mehr vom Leben, und zwar jeden Tag.

Erlebnisqualität wird heute nicht nur vom Urlaub erwartet, sondern auch von der Freizeit im Alltag.

Das ist eine an sich erfreuliche Begleiterscheinung des technischen Fortschritts, denn kaum einer kommt noch tagtäglich so ausgepowert von der Arbeit, dass Feierabend für ihn zwangsläufig nur noch auf dem Sofa stattfindet.

Diesen hohen Anspruch an die Qualität der Freizeit lässt sich der Bundesbürger, ebenso wie seine europäischen Nachbarn auch durchaus etwas kosten.

Experten gehen heute davon aus, dass viele Menschen mehr Geld für Freizeitkonsum ausgeben, als z. B. für Lebensmittel.

Dabei stehen Ausgaben für die kreative Freizeit, z. B. also Basteln, Handarbeiten, künstlerische Betätigungen und Heimwerken deutlich vor den Ausgaben für Kultur, also z. B. Theater, Literatur, Konzerte etc..

Und der Bereich kreative Freizeit erlebt gerade den Beginn einer neuen sehr positiven Entwicklung.

TV Sendungen zu kreativen Heimwerkerthemen sind heimliche Renner im Fernsehprogramm, auch und gerade bei denjenigen, die (noch) gar keine Möglichkeit zur Umsetzung dieser Techniken haben.

Zitat: "Ich schau mir jede dieser Sendungen an. In der Theorie bin ich inzwischen fit. Wenn ich mal eine große Wohnung habe, richte ich sie ganz kreativ ein - und ich weiß auch schon ganz genau wie" (Studentin, 27, lebt möbliert im Studenten-Wohnheim)

Die Akzeptanz von kreativen Beschäftigungen in der Freizeit ist abhängig vom Lebensalter und vom Geschlecht.

Männer sind generell weniger an kreativen Beschäftigungen interessiert oder knüpfen erst im Rentenalter wieder an die in der Jugend erworbenen Fertigkeiten und Vorlieben an.

Heimwerken definieren Männer übrigens, anders als Frauen, in der Regel nicht als kreative Freizeit, sondern als "etwas was von mir verlangt wird".

Neben kreativen Arbeiten am Computer ist es vor allem das Fotografieren, das von jüngeren Männern als bevorzugt kreative Freizeitbeschäftigung genannt wird.

Aber nicht einmal 10 % der befragten Männer beschäftigen sich tatsächlich in der Freizeit kreativ, es sei denn dass mit den Kindern gebastelt wird, das ist dann allerdings eher die seltene Ausnahme.

Generell hört man von Männern zu diesem Thema immer wieder Aussagen wie zum Beispiel.."leider habe ich dafür einfach keine Zeit"…

Frauen haben zur Kreativität in der Freizeit eine gänzlich andere Einstellung als Männer. Sie nutzen viele Zeitkorridore für Handarbeiten, zum Beispiel in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder zur Uni, auch im Stau sind schon viele Kilometer Strickwaren entstanden.

Manche zeichnen oder malen in der Mittagspause ein wenig, sticken beim Friseur unter der Trockenhaube, zeichnen im Park oder basteln beim Kaffeekränzchen mit den Freundinnen.

Auch Urlaub und Kurzreisen mit Kreativangebot sind bei Frauen sehr beliebt. Ob es der Schneiderkurs auf dem Kreuzfahrtschiff ist, oder der Malkurs in der Toskana. Puppen Basteln in der Lüneburger Heide, das Töpferwochenende oder Schmuck aus eigener Werkstatt über Ostern.

Gerade Frauen sind heute so interessiert an kreativen Beschäftigen wie lange nicht, der Unterschied ist nur, dass sie nicht so viel darüber reden.

Ein Boom ist z. B. momentan das Sockenstricken, wer hätte vor einigen Jahren die Prognose gewagt, dass gerade diese Fertigkeit noch mal ein Comeback erleben würde?

Die moderne, berufstätige Frau beschäftigt sich mit Handarbeiten, Basteleien oder künstlerischen Betätigungen ja auch aus ganz anderen Motiven heraus, als die Hausmütterchen früherer Zeiten.

Weder Not und Sparsamkeit, noch die Suche nach dem produktiven Erfolgserlebnis ist heute die Triebfeder für kreative Freizeitbeschäftigen bei Frauen. Selbst gemachtes ist kaum billiger als günstig gekauftes, selbst gestrickte Socken kosten gar ein Vielfaches, und Anerkennung gibt es im Beruf, dafür muss Frau heute nicht mehr stricken.

Wenn Frauen sich heute in der Freizeit kreativ beschäftigen, dann vor allem um sich selbst etwas Gutes zu tun, sich etwas zu gönnen.

Um sich zu entspannen, Spaß zu haben, um etwas zu tun, was einen Kontrast zur Arbeit bietet und was nicht jeder kann.

Socken stricken zum Beispiel ist eine ganz bewusste Demonstration weiblicher Fähigkeiten, denn obwohl die Gilde der Strumpfwirker im Mittelalter eine Männerdomäne war, kann das heute kaum ein Mann.

Zitat: "und dann gucken die Kollegen immer ganz neidisch" (Oberärztin in einem großen Krankenhaus)





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