 | Konsumverhalten 2003 (2) Einstellungen zur Wertigkeit von Büro-Utensilien am Arbeitsplatz
Beim öffentlichen Gebrauch etwa von Schreibtisch-Utensilien, hängt der Anspruch an Design und Image- oder Zierwert der Produkte von der Wertigkeit der Büro- oder Verwaltungstätigkeit ab.
Welcher Wert also der Büro-Arbeit jeweils zugemessen wird, bestimmt auch die Einstellung die den dafür erforderlichen Utensilien entgegen gebracht wird.
Hier zeigen sich durch Wertewandel bedingte Einstellungsmuster in einer völlig kontroversen Ausprägung je nach Branche und Kernkompetenz.
Als Faustregel kann gelten: Je stärker die Bürotätigkeit die eigentliche Kernkompetenz des Verwenders, oder die Verwaltungstätigkeit die eigentliche Kernkompetenz des betreffenden Unternehmens ist, desto mehr Wert wird auf Design, Qualität und Aktualität der Büro-Utensilien gelegt.
Wo jedoch Bürotätigkeit nur ein Nebenaspekt bleibt, ist der Anspruch an die Utensilien heute sehr viel geringer.
So finden sich z. B. an den Arbeitsplätzen von technischen Führungskräften in der Groß-Industrie ebenso wie an anderen eher technisch orientierten Arbeitsplätzen meist deutlich weniger, deutlich ältere und deutlich weniger schöne Büroutensilien als im Mittel der Arbeitsplätze.
Hier genügt es den Verwender oftmals, wenn die Produkte funktionieren.
Teilweise sind aber an derartigen Arbeitsplätzen auch mehr oder weniger "antike" Utensilien im Einsatz oder erstaunlich kreative Hilfskonstruktionen und vielfach geradezu unbeschreibliche Sitz- und Büromöbel.
Ich selbst kenne höchst effizient arbeitende, innovative und international bestens akzeptierte Unternehmen, deren wissenschaftliche Mitarbeiter klaglos in gekrümmter Haltung an abenteuerlichen Konstruktionen auf der Basis von Apfelsinenkisten arbeiten und deren Ablagesystem im wesentlich aus verschiedenen Haufen besteht.
In einem anderen Fall hatte ein bekanntes Unternehmen aus der Metall-Industrie für seine technischen Führungskräfte einen neuen Satz formschöner Büro-Utensilien eines führenden Herstellers besorgt, um hier für einen gewissen Standard zu sorgen. Kontrollen nach vier Wochen ergaben, dass nur in wenigen Abteilungen die Kartons ausgepackt und die Produkte in Verwendung waren. Ein Meister hatte einen Auszubildenden gebeten, die Utensilien in einer auffälligen Farbe umzuspritzen(sie waren dann knallig froschgrün) damit er sie stets auf einen Blick finden könne.
Der Grund für die unterschiedliche Wertigkeit für das Design von Büro-Utensilien und Einrichtungen in bestimmten Branchen liegt in der Definition der Arbeit durch den Verwender.
Wo Büroarbeit nur als notwendiges Übel erlebt wird, besteht auch wenig Interesse an schönen Büro-Utensilien. Der Verwender definiert sich und seinen Status in diesem Fall über seinen Computer bzw. dessen sensationelles Innenleben, der über andere Maschinen etc.
Er möchte keinesfalls als "Bürohengst" oder "Tippse" bewertet werden, auch wenn bestimmte Büro- und Schreibarbeiten zu seinen Aufgaben gehören.
Ein Versicherung oder Bank, deren Haupttätigkeit von Verwaltungsaufgaben geprägt ist, legt hingegen in der Regel deutlich höheren Wert auf die Wertigkeit der Produkte. Der Mitarbeiter definiert sich über seinen Büro-Arbeitsplatz und weist durch den Stil und das Design der verwendeten Utensilien mehr oder weniger dezent auf seinen Stil und seinen Status hin.
Die Möglichkeit, durch die eigene Auswahl dieser Utensilien in einem gewissen Maß auf die Ausgestaltung und das Dekor des Arbeitsplatzes einwirken zu können, ist gerade für Angestellte in Großraumbüros ein wichtiger Aspekt und trägt zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei.
Praxen von Ärzten und Zahnärzten sind in der Regel, was die Büro-Utensilien betrifft, stark beeinträchtigt durch zwei Faktoren. Da ist zum einen der oft noch sehr kindliche Geschmack der meist jungen Arzthelferinnen, der sich einigermaßen heftig in Form von buntem Schnickschnack, keinen Tierchen etc. dokumentiert.
Und dann natürlich die vielen milden Gaben der Pharma-Industrie. Ein buntes Sammelsurium von Schreibtisch-Utensilien aller Art, dessen wichtigste Funktion es nicht ist, die Bürotätigkeit in der Praxis funktional zu unterstützen, sondern vielmehr als Werbeträger zu fungieren.
Hier sehen wir also, wie sich unterschiedliche Wertungen von Büroarbeit und andere Aspekte des kontinuierlichen gesellschaftlichen Wertewandels ganz konkret bei der Einstellung zu Büro-Utensilien auswirken.
Diese Einstellungsmuster sind dann natürlich auch handlungsleitende Faktoren wenn es um den Einkauf der Produkte und insbesondere um die Beschaffungs-Intervalle geht.
Wir sehen also, dass für Image-Kampagnen und Aufwertungen noch breite Zielgruppen vorhanden sind, durch deren gekonnte Ansprache starke Impulse in den PBS-Markt kommen können.

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