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Konsumentenverhalten 2004 (3) - Die gesellschaftlichen Hintergründe

Konsumentenverhalten 2004 (3) - Die gesellschaftlichen Hintergründe

Die Signale, die aus der Politik kommen, sind schon seit geraumer Zeit dergestalt, dass die Zukunftsangst, also der Trieb zur Vorsorge und damit eben auch die Konsumzurückhaltung und Sparsamkeit immer stärker stimuliert werden.

Die Grundeinstellung der Gesellschaft ist negativ, Pessimismus die vorherrschende Stimmung. Optimisten geraten heute sehr schnell in den Ruf, etwas dümmlich und unverantwortlich zu sein.

Selbst der eher oberflächlich in den Tag hinein lebende junge Mensch ist heute schon frühzeitig gezwungen, an seine finanzielle Zukunft, an sein Alter zu denken.

Diese gesellschaftliche Entwicklung reduziert das Denken der Menschen im wesentlichen auf ihre eigenen Probleme. Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung sind auf allen Ebenen im Rückzug begriffen.

Den politischen Parteien laufen die Mitglieder weg, und wo laufen sie hin?

Zu anderen Parteien oder Interessensgemeinschaften?

Keinesfalls, es findet im großen Stil ein Rückzug ins private statt.

Die Auswirkungen auf das Konsumverhalten

Doch der Kampf um die Teilnahme am gesellschaftlichen Wohlstand und die Verteilung der Ressourcen ist noch immer eine der wichtigsten Triebfedern menschlichen Handelns und findet natürlich weiterhin statt.

Nur hat sich der Schauplatz verlagert, weg von der politischen Bühne.

Der Verteilungskampf findet heute an der Supermarktkasse oder beim Internet-Einkauf statt.

Suchten noch vor wenigen Jahren die Ärmsten der Armen verschämt im Supermarkt nach spottbilliger, weil abgelaufener Ware, so ist die Jagd nach den vor der Kasse zum mitnehmen abgestellten Alt-Produkten heute auch für die Hausfrau aus dem oberen Mittelstand ein guter Grund, den Einkauf möglichst früh am Tage zu tätigen.

Wühltische, Sonderangebote aller Art und das Schnäppchen an sich sind so wichtig wie nie zuvor.

In Gruppendiskussionen mit Arztfrauen und anderen besser gestellten Familienmüttern stellte sich heraus, dass der möglichst sparsame Umgang mit dem (in diesen Familien nicht gerade knappen) Geld als ein absolutes "Muss" erlebt wird. Ein Anspruch den nicht nur die einkaufende Hausfrau an sich selbst stellt, sondern der auch von außen an sie herangetragen, an dem sie gemessen wird.

Die Schnäppchenjagd gilt für diese Probanden als Quasi Job, in dem die eigentlichen Erfolgserlebnisse dieser Konsumentengruppe erzielt werden. Denn eine Einsparung beim Konsum ist, im Gegensatz zur täglich geleisteten Haus- und Erziehungsarbeit, direkt messbar und vergleichbar und wird insofern als persönliche Leistung erlebt.

Ganz ähnlich stellt sich dies im übrigen auch bei den berufstätigen Probanden dar. Der Erfolg einer cleveren, sparsamen Haushaltsführung ist im Gegensatz zum Erfolg im Beruf direkt messbar und sofort erlebbar.

Es ist also keineswegs nur die Angst vor einer ungewissen wirtschaftlichen Zukunft, die hier handlungsleitend für das sparsame Verhalten ist, sondern eben auch die Entfremdung im Berufsleben.

Wer sich als kleines Rädchen in einer großen Organisation erlebt kann sich heute niemals sicher sein, welchen Wert seine berufliche Arbeit für das Unternehmen tatsächlich hat. Und auch wer vom Arbeitsmarkt bereits freigestellt wurde, kann sich im cleveren Umgang mit dem Geld täglich selbst beweisen, dass er dennoch ein tüchtiger, erfolgsorientierter Mensch ist.





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